Alles Wissenswerte über Bolusse: Herdengesundheit, Arten und bewährte Verabreichungspraktiken
Die Gesundheit der Herde, besonders in kritischen Zeiten wie der Abkalbung, der Belegung oder dem Weideaustrieb, ist die Grundvoraussetzung für die Rentabilität des Betriebs. Zur Unterstützung der Tiere setzen sich Nahrungsergänzungsmittel in Bolusform zunehmend gegenüber traditionellen Methoden wie der Gabe am Futtertisch durch. Dies ermöglicht es, die gesamte Herde zu unterstützen oder gezielt ein einzelnes Tier oder einen Teil der Herde zu ergänzen. Doch wie wählt man sie richtig aus und verabreicht sie sicher? Hier ist der vollständige Leitfaden.
Warum einen Bolus wählen?
In der Veterinärmedizin ist ein Bolus ein festes Ergänzungsmittel, oft von beträchtlicher Grösse, das oral mit einem Applikationsgerät (Boluseingeber) verabreicht wird. Einmal geschluckt, sorgt seine Dichte und sein Gewicht dafür, dass er in den Netzmagen-Pansen (die Vormägen) sinkt, wo er verbleibt und eine mehr oder weniger lang anhaltende Wirkung entfaltet.
Der Nutzen für die Viehhaltung ist dreifach:
- Sicherheit der Nährstoffzufuhr: Im Gegensatz zu Lecksteinen, deren Aufnahme durch das Tier unvorhersehbar bleibt, garantiert der Bolus, dass jede Kuh genau die Dosis erhält, die sie benötigt.
- Anhaltende Wirksamkeit: Je nach Typ gibt der Bolus seine Wirkstoffe kontinuierlich ab (manchmal über mehrere Wochen oder Monate), was weitaus effektiver ist als eine punktuelle Kur.
- Zeitersparnis: Er kann zudem die tägliche, mühsame Verteilung von Ergänzungsfuttermitteln in der Ration vermeiden.
1. Für jede Herausforderung der passende Bolus: Welchen wählen?
Je nach physiologischem Stadium des Tieres variiert der Bedarf an Mikronährstoffen (Mineralien, Vitamine, Spurenelemente) enorm. Hier sind die wichtigsten Bolustypen, die du in deine Präventionsstrategie integrieren kannst:
- Vorbeugung von Milchfieber: der Kalzium-Bolus ( z. B. Calzogol ) . Rund um die Abkalbung schiesst der Kalziumbedarf in die Höhe. Ein guter Kalzium-Bolus unterstützt den Laktationsstart. Bevorzuge Bolusse ohne Kalziumchlorid, um Reizungen des Mauls, der Speiseröhre und der Pansenschleimhaut deiner Kühe zu vermeiden.
- Vermeidung von Mangelerscheinungen nach der Abkalbung: der Phosphor-Bolus ( z. B. Phosphogol ). Frisch abgekalbte Kühe haben oft einen Phosphormangel. Tatsächlich erzeugt die verringerte Futteraufnahme bei der Abkalbung in Verbindung mit dem Laktationsbeginn ein Ungleichgewicht angesichts des explodierenden Bedarfs. Allein oder ergänzend zum Kalzium-Bolus verabreicht, liefert er eine grosse Menge sofort verfügbarer Phosphor für einen besseren Start.
- Bekämpfung von Ketose: der Energie-Bolus ( z. B. Ket-o-Vital ) . Ideal für Kühe mit sehr hoher Milchleistung oder Übergewicht. Dieser Bolustyp setzt glucoplastische Substanzen frei, die den Stoffwechsel unterstützen, Leber und Pansen entlasten und den Appetit der Kuh anregen.
- Förderung der Fruchtbarkeit: der Fruchtbarkeits-Bolus ( z. B. Fertilgol ) . Reich an Betacarotin, verteilt er sich langsam (über etwa 20 Tage). Er begünstigt die Gelbkörperbildung und die Kolostrumqualität bei den Kühen, ist aber auch hervorragend für die Spermienqualität deiner Zuchtbullen. Er ist besonders in der Winterzeit wertvoll, in der häufig eine verminderte Fruchtbarkeit beobachtet wird. Dies hängt mit dem begrenzten Zugang zur Weide oder zu frischem Futter zusammen, das reich an Betacarotin ist.
- Rettung bei Kälberdurchfall: der Puffer-Bolus ( z. B. Bufferlyt ) . Ein Kalb mit Durchfall verliert Flüssigkeit, dehydriert, verweigert das Trinken und sein Blut übersäuert. Dieser kleine Bolus enthält Natriumbicarbonat (ein starker Puffer) und Elektrolyte, um seine Vitalität wiederherzustellen.
2. Praktisches Schema: Wie verabreicht man einen Bolus sicher?
Sich mit einer 700 kg schweren Kuh zu balgen, ist nie ein Vergnügen, und das Risiko des Verschluckens (Eindringen in die Luftröhre) ist oft eine Sorge. Sei beruhigt: Bei einem stehenden Tier ist dieses Risiko praktisch gleich null.
Hier ist die Vorgehensweise.
1: Die Vorbereitung
- Handschuhe: unerlässlich aus hygienischen Gründen.
- Boluseingeber: Verwende immer einen Applikator, der streng auf die Grösse des Bolus abgestimmt ist, wenn möglich mit einem Gummiaufsatz.
- Tipp: Nimm den Bolus erst im letzten Moment aus der Verpackung und vermeide es, einen zu kalten Bolus zu verabreichen.
2: Die Fixierung und die Haltung
- Blockiere die Kuh am Fressgitter oder in einem Behandlungsstand.
- Stell dich mit dem Rücken zum Tier, rechts von dessen Kopf, wenn du Rechtshänder bist.
- Halte den Kopf der Kuh horizontal (parallel zum Boden), ohne ihn zu weit nach oben zu heben.
3: Das Einführen in das Maul
- Führe mit deiner freien Hand (links) durch den Mundwinkel (den zahnlosen Bereich), um das Maul zu öffnen.
- Tipp: Das Kitzeln des Gaumens hilft der Kuh, sich zu beruhigen und stimuliert den Schluckreflex.
- Schiebe den Boluseingeber vorsichtig nach hinten. Es ist nutzlos und gefährlich, Kraft anzuwenden: Es reicht aus, knapp hinter die Zungenbasis zu gelangen.
4: Der Schmuckakt
- Gib den Bolus frei, ziehe den Applikator zurück, aber lass den Kopf der Kuh nicht sofort los.
- Warte einige Sekunden, um sicherzustellen, dass sie die «grosse Pille» gut geschluckt hat und sie nicht wieder ausspuckt.
3. Unverzichtbare Vorsichtsmassnahmen
Abschliessend sind hier einige goldene Regeln für deinen Betrieb:
- Ruhe geht vor: Wenn die Kuh besonders nervös oder aufgeregt ist, wende keine Gewalt an. Verschiebe den Vorgang zu deiner Sicherheit und der des Tieres.
- Überwachung: Vermeide es, das Tier unmittelbar nach der Gabe wieder auf die Weide zu lassen. Behalte es einige Augenblicke im Auge, falls ein Problem auftritt.
- Keine riskanten Mischungen: Verabreiche niemals zwei verschiedene Bolusse gleichzeitig und warte das Ende der Wirkungsdauer des ersten ab, bevor du einen neuen verabreichst (um zu verhindern, dass der Überschuss eines Minerals die Aufnahme eines anderen blockiert).
- Wartezeiten: Sei sehr wachsam bei medikamentösen Bolussen (wie z. B. Entwurmungsmitteln), die sehr lange Wartezeiten für Fleisch oder Milch haben können (manchmal bis zu 20 Wochen).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der durchdachte Einsatz von Bolussen eine äusserst rentable Investition ist. Er erfordert anfangs etwas Übung, ermöglicht es jedoch, die Gesundheit, die Immunität und die Produktion deiner gesamten Herde gezielt zu verbessern.