Warum die Herbstschur mehr als nur eine Frisur ist
Ein gut gepflegter Schafbestand ist das Fundament für einen gesunden Herde in der kalten Jahreszeit. Bevor der Winter Einzug hält und die Tiere längere Zeit im Stall verbringen oder auf feuchten Herbstweiden stehen, stehen zwei essenzielle Arbeiten an: Die Herbstschur und die gründliche Klauenpflege.
Viele Hobby- und Nutztierhalter fragen sich, ob eine Schur im Herbst überhaupt notwendig ist. Die Antwort lautet:
Ja, in vielen Haltungssystemen ist sie sogar entscheidend für das Wohlbefinden.
- Vermeidung von Hitzestau im Stall: Wenn die Schafe von der Weide in den geschlossenen Stall umziehen, sorgt die dicke Wolle schnell für Überhitzung und eine hohe Luftfeuchtigkeit im Fell.
- Parasitenprophylaxe: Im dichten Herbstvlies nisten sich gerne Ektoparasiten wie Laustatsen, Milben oder Zecken ein. Eine Schur nimmt diesen Schädlingen den Lebensraum und ermöglicht eine gezielte Behandlung.
- Sauberkeit bei der Lammung: Steht im Winter oder Frühjahr die Lammung an, erleichtert ein kurzes Vlies den Lämmern das Finden des Euters erheblich und verhindert Infektionen durch verschmutzte Wolle.
Tipp zur Herbstschur:
Achte darauf, dass die Schur früh genug im Herbst stattfindet (ideal ist September bis Anfang Oktober), damit bis zu den ersten frostigen Nächten noch eine dünne, schützende Nachwachsschicht vorhanden ist. Nach der Schur sollten die Schafe bei nassem, kaltem Wetter vorübergehend einen geschützten Unterstand nutzen können.
Klauenpflege: Trockenen Fusses durch den Herbst
Der Herbst bringt feuchte Böden, Matsch und Taunässe mit sich – ideale Bedingungen für Krankheitserreger wie Fäulebakterien. Eine sorgfältige Kontrolle und das Schneiden der Klauen schützt vor schmerzhaften Lahmheiten und Moderhinke.
In 4 Schritten zur gesunden Klaue
- Reinigung: Entferne zuerst Erde, Kot und kleine Steinchen gründlich mit einem Klauenreiniger oder einer stumpfen Spitze aus dem Zwischenklauenspalt.
- Sichtprüfung: Kontrolliere das Klauenhorn auf Risse, Hohlräume, unangenehmen Geruch oder weiche, faulige Stellen.
- Der richtige Schnitt: Schneide überschüssiges Wandhorn, das sich unter die Sohle geschoben hat, mit einer scharfen Klauenschere vorsichtig ab. Ziel ist eine plane Sohlenfläche, auf der das Tier gleichmässig auftritt.
- Desinfektion: Bei kleineren Läsionen oder feuchten Stellen hilft das Einsprühen mit einem geeigneten Pflegespray (z. B. auf Zink- oder Kupferbasis).
Vorbereitung auf die Stallsaison: Die Checkliste für den Halter
Damit die Pflegemassnahmen reibungslos ablaufen, lohnt sich eine kurze Vorbereitung:
- Trockenes Wetter abwarten: Schafwolle muss vor dem Scheren vollständig trocken sein, da feuchte Wolle beim Einlagern schimmelt und die Schermaschine verklebt.
- Scharfes Werkzeug nutzen: Stumpfe Schermesser rupfen an der Haut; stumpfe Klauenscheren quetschen das Horn, statt es sauber zu schneiden.
- Klauenbad einrichten: Steht die Herde nach der Pflege auf feuchten Flächen, kann ein kurzes Durchtreibe-Klauenbad (z. B. mit Zinksulfatlösung) das Horn festigen und Keime abtöten.
Ein sauber gescherter Rücken und gepflegte Klauen sind die beste Investition in die Herdengesundheit. So gehen deine Schafe vital, stressfrei und gut gerüstet in die dunkle Jahreszeit!
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