Gesunde Klauen, langlebige Kühe: Die Schweizer Methode im Fokus

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Drei Bilder zur Klauenpflege. In der Mitte eine Kuh im Klauenstand. Flankiert von einer makellosen Klaue eines jüngeren Tieres (links) und einer abgenutzten Klaue einer älteren Kuh (rechts).png

⁠Altersschäden im Blick: Während die Klaue des jüngeren Tieres (links) nach dem Ausschneiden top aussieht, zeigt die Klaue der älteren Kuh (rechts) deutliche Abnutzungen und Verfärbungen, die über die Jahre entstehen.

⁠Hast du dir schon einmal überlegt, was das Fundament für eine gesunde und produktive Kuh ist? Die Antwort liegt ganz unten: es sind die Klauen. Gesunde Klauen sind der Schlüssel für das Wohlbefinden, die Leistung und die Wirtschaftlichkeit deiner Milchkühe.

In der modernen Rinderhaltung ist die natürliche Abnutzung der Klauen oft nicht mehr garantiert, weil deine Tiere viel Zeit im Stall verbringen. Aber das ist nicht alles: Die Klauengesundheit hängt von vielen Faktoren ab. Auch die Fütterung, die Genetik und das Alter der Tiere spielen eine grosse Rolle. Wenn hier etwas aus dem Gleichgewicht gerät, kommt es schnell zu Fehlbelastungen und schmerzhaften Klauenerkrankungen. Um dieses Problem zu lösen, setzt die Schweiz auf klare Massstäbe.

Ein einheitlicher Standard für die Schweiz

Die Schweizer Klauenpflegervereinigung (SKV) hat unter der Leitung von Präsident Beat Fenner eine wichtige Initiative durchgeführt. Am Tierspital Bern kamen Instruktoren aus der ganzen Schweiz sowie renommierte Experten zusammen – darunter Prof. Dr. Adrian Steiner (Tierspital Bern), Prof. Dr. Karl Nuss (Tierspital Zürich) und die Tierärztin Maria Ruiters vom Rindergesundheitsdienst.

⁠Ihr gemeinsames Ziel: 
Die Klauenpflegetechnik beim Rind in der ganzen Schweiz zu vereinheitlichen.

Was ist die "Schweizer Methode"?

Die Basis für das Konzept ist die bekannte Methode der  funktionellen Klauenpflege nach Toussaint Raven . Die Experten haben diese klassische Technik weiterentwickelt und an die Bedingungen der modernen Schweizer Landwirtschaft angepasst.

⁠Das Hauptziel der Schweizer Methode ist es, 
ausgeglichene Belastungsverhältnisse an den Klauen herzuweisen. Die Methode funktioniert jedoch nur dann optimal, wenn du alle Schritte konsequent durchführst – und zwar an  allen vier Füssen , nicht nur an den Hinterbeinen!

Die Pflege in 5 Schritten

Damit du die Methode direkt in der Praxis anwenden kannst, wird sie in fünf klare Schritte unterteilt:

Infografik Pflege von Rinderklauen in zwei Reihen. Oben ein Vorher-Nachher-Vergleich einer Kuhklaue, unten eine illustrierte Anleitung in fünf Schritten.png

Schritt 1: Die grössere Klaue anpassen

Kürze die vordere Wandlänge der grösseren Klaue auf 85 mm (abhängig von Alter und Rasse). Passe danach die Sohlenfläche – also den vorderen Bereich der Klauenunterseite – an und dünne sie aus. Achte darauf, dass die Sohlendicke mindestens 5 mm beträgt.

Schritt 2: Die kleinere Klaue angleichen

Passe die Höhe der kleineren Klaue genau an die bereits bearbeitete grosse Klaue an.

Schritt 3: Hohlkehlung anbringen

Bringe die Hohlkehlung (H) an. Am Vorderfuss und Hinterfuss betrifft dies 2/3 der Breite. Im Spitzenbereich beginnst du ab 1/3 der Sohlenlänge und führst die Hohlkehlung ballenwärts bis zum Ballen aus.

Schritt 4: Nacharbeit und Afterklauen

Entferne loses Horn und brich die Kanten. Im Spitzenbereich bearbeitest du 1/3 der Aussenwandlänge bis maximal zur weissen Linie; den Rest trägst du maximal 1 mm ab. Vergiss nicht, auch die Afterklauen (A) zu kürzen.

Schritt 5: Kontrolle und Problembehandlung

Kontrolliere den Zwischenklauenspalt gründlich. Bitte entferne vorhandene Ballenfäule (B) und entlaste Defekte. Wichtiger Sicherheitshinweis: Bei einer Beteiligung der Lederhaut musst du unbedingt einen Tierarzt beiziehen (Anästhesie).

Nahaufnahme einer frisch gepflegten, hellen Klaue eines jüngeren Rindes mit korrekt ausgearbeiteter Hohlkehlung.png

Warum Schweizer Kühe älter werden

Die korrekte Klauenpflege hat einen direkten Einfluss auf die Lebenserwartung der Tiere. Wenn du dir die Zahlen anschaust, sprechen sie für sich:

  • Schweiz: Durchschnittlich ca. 4 Laktationen pro Kuh.
  • USA: Durchschnittlich nur ca. 1,5 Laktationen.
  • Andere europäische Länder: Oft deutlich weniger als in der Schweiz.

Eine fachgerechte Klauenpflege schützt das Horn, verhindert Krankheiten und ist damit dein wichtigstes Werkzeug, um die  Langlebigkeit und Nachhaltigkeit in deinem Betrieb zu fördern.

Fazit für deine Praxis

Die Schweizer Methode der funktionellen Klauenpflege zeigt, dass Standardisierung und Fachwissen Hand in Hand gehen. Für dich als Landwirt oder Tierhalter bedeutet das: Wenn du regelmässig und nach den 5 Schritten der SKV die Klauen pflegst, investierst du direkt in die Gesundheit deiner Herde und den wirtschaftlichen Erfolg deines Hofes.