Futterknappheit und Trockenheit: Strategien für deinen Betrieb
Wenn Trockenheit und Futterknappheit deinen Betrieb treffen, musst du schnell handeln: Passe deine Herdengrösse an, optimiere deine Rationen strikt und geh umsichtig mit deinen Weideflächen um. Hier erfährst du, was du jetzt tun kannst:
1. Herdengrösse anpassen
Der erste Schritt besteht darin, den Druck auf deine Futtervorräte zu senken, indem du die Anzahl der zu versorgenden Tiere reduzierst. Es ist ratsam, frühzeitig Tiere auszusortieren, die am Ende ihrer Nutzungsdauer stehen, Probleme aufweisen (erhöhte Zellzahlen, Lahmheiten), nicht trächtig sind oder eine geringe Leistung erbringen. Auch bei den Jungrindern solltest du kritisch prüfen, welche Tiere du behältst.
Vorsicht jedoch beim vorzeitigen Trockenstellen:
Eine trächtige trockenstehende Kuh hat ähnliche Nährstoffansprüche wie eine Kuh, die 8 bis 10 kg Milch produziert. Ein zu frühes Trockenstellen spart also kaum Futter, es sei denn, du passt die Ration gezielt durch Strohbeigaben an. Beachte zudem, dass eine flächendeckende Reduzierung der Herdengrössen zu einem Überangebot am Schlachtmarkt und damit zu sinkenden Fleischpreisen führen kann.
2. Ration optimieren und Futteralternativen nutzen
Analysiere den Nährwert deiner verbleibenden Vorräte, um präzise Rationen zu berechnen. Reserviere das beste Futter für Kühe in der Frühlaktation oder in der Umstellungsphase. Um den Mangel an Grundfutter auszugleichen, gibt es bewährte Alternativen:
- Nebenprodukte: Der Einsatz von gepressten Rübenschnitzeln oder Biertreber ist sehr vorteilhaft. Diese Futtermittel können Teile der Maissilage oder des Grases ersetzen, verbessern die Verdaulichkeit der Ration und fördern eine stabile Pansenfunktion.
- Stroh: Es liefert Struktur und dient zur Streckung der Ration, insbesondere bei trockenstehenden Kühen und Jungvieh. In einer totalen Mischration (TMR) sollte der Strohanteil jedoch ein Drittel nicht überschreiten und fein geschnitten sein, damit die Kühe es nicht selektieren können. Die Zugabe von Melasse oder Glycerin kann die Schmackhaftigkeit erhöhen.
- Verschwendung begrenzen: Du kannst die Futtervorlage bei Jungvieh und trockenstehenden Kühen auf maximal 90 % des üblichen Bedarfs kürzen, um „Luxuskonsum“ und Futterverluste zu vermeiden. Überwache dabei den Körperzustand der Tiere genau.
3. Schütze deine Weiden und bereite deine Bestände vor
Achte während der Trockenphase unbedingt darauf, deine Weiden nicht zu überweiden, damit sie sich nach den ersten Niederschlägen rasch regenerieren können. Deine Milchkühe hältst du am besten im Stall und fütterst sie dort. Wenn du sie rauslässt, dann höchstens nachts auf unbeschattete Flächen. Alternativ kannst du deine Tiere auf einer „Park-Fläche“ konzentrieren – also eine Weide mit geringem Potenzial, die du ohnehin umbrechen willst –, um deine restlichen Flächen zu schonen. Wenn du kurzfristig Futter gewinnen willst, leg am besten Zwischenfrüchte als Herbstsaat an. Wähle deine Mischungen sorgfältig aus und achte auf eine fachgerechte Saat, damit du den bestmöglichen Ertrag erzielst. Denk daran, dass die meisten Arten mindestens 10 mm Niederschlag zum Keimen brauchen.
4. Gesundheit und Fruchtbarkeit im Blick behalten
Wenn du die Ration umstellst (weniger frisches Gras, mehr Maissilage und Stroh), kann das zu Defiziten führen. Sei besonders aufmerksam bei der Mineralstoff- und Vitaminversorgung deiner Tiere, vor allem beim
Beta-Carotin-Gehalt
. Dieser ist in grasarmen Rationen oft deutlich reduziert, was bei deinen Kühen zu langanhaltenden Fruchtbarkeitsproblemen führen kann. Achte auch darauf, dass dein Kraftfutteranteil die kritische Grenze (je nach Fütterungstyp meist 30 bis 50 %) nicht überschreitet, damit du keine Pansenazidosen riskierst. Sorge zum Schluss immer dafür, dass deine Tiere genug Schatten und Zugang zu sauberem Tränkewasser haben.
Fazit
Die Bewältigung eines futterknappen Sommers verlangt einen Ansatz, der technisches Fachwissen mit strategischer Voraussicht verbindet. Es gilt, die unmittelbaren Bedürfnisse – durch Anpassung der Herde und Optimierung der Rationen – mit dem Erhalt deines Produktivkapitals, vor allem der Tiergesundheit und der Widerstandsfähigkeit deiner Flächen, in Einklang zu bringen. Der Erfolg hängt von einer ständigen Beobachtung und der Bereitschaft ab, die Praktiken agil anzupassen, um die Wirtschaftlichkeit des Betriebs zu sichern und gleichzeitig das Tierwohl zu gewährleisten.