Fütterung von Bio-Milchkühen: Grundfutter meistern und Kraftfutter richtig wählen

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Nahaufnahme aus der Froschperspektive einer grau-weissen Grauvieh-Kuh mit einer Kuhglocke um den Hals, deren Flotzmaul ganz nah an der Linse ist, auf einer blühenden Schweizer Alpwiese mit der im Wind wehenden Schweizer Flagge auf der rechten Seite.png

⁠Als Biobauer weisst du, dass die biologische Landwirtschaft auf einem fundamentalen Prinzip beruht: die Tiere artgerecht zu ernähren und gleichzeitig zu vermeiden, dass ihr Futter in direkte Konkurrenz zur menschlichen Ernährung tritt. Für deine Milchkühe bedeutet dies eine Rückkehr zu den Wurzeln mit einer Fütterung, die hauptsächlich auf dem Gras und den Hof-eigenen Futtermitteln basiert.

⁠Angesichts der strengen Bio Suisse Richtlinien (die den Anteil an Kraftfutter auf maximal 5 % der Trockenmasse begrenzen und 100 % Schweizer Futtermittel vorschreiben), muss die Fütterungsstrategie minutiös geplant werden. Hier erfährst du, wie du die Grundration optimieren und Ergänzungsfuttermittel strategisch einsetzen kannst.

Das Grundfutter: Die unverzichtbare Säule der Ration

In einem Betrieb mit Bio Suisse Knospen-Label muss die Jahresration aus einem Mindestanteil an Futter von Wiesen und Weiden bestehen:  75 % im Talgebiet und 85 % in der Bergzone .

⁠Was genau gilt als Grundfutter? Die Regeln sind präzise. Es handelt sich um:

  • Futtermittel aus Dauer- und Kunstwiesen (frisch, siliert oder getrocknet).
  • Stroh und eingestreutes Futter.
  • Ganzpflanzen (Ganzpflanzenmais gehört dazu, aber nicht zerbrochene Maiskolben).
  • Unverarbeitete Rüben, Kartoffeln sowie Obst- und Gemüseabfälle.
  • Biertreber und bestimmte Schweizer Nebenerzeugnisse der Trockenmüllerei. ⁠

Qualität optimieren, um die Reduktion des Kraftfutters auszugleichen

Mit dieser berühmten 5 %-Grenze für Kraftfutter wird die Qualität des Grundfutters zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Damit die Kühe Milch produzieren, ohne ihre Reserven zu sehr zu beanspruchen, muss das Grundfutter proteinreich sein.

Ziel ist es, einen Rohproteingehalt von mindestens 14 % zu erreichen.

Um dies zu erreichen, empfiehlt es sich, Kunstwiesen, die reich an Leguminosen (Luzerne, Weissklee, Rotklee) sind, zu bevorzugen, anstatt Rationen mit zu viel Silomais, der Energieüberschuss auf Kosten von Protein liefert. Eine unausgewogene Ration birgt das Risiko der Fetteinlagerung am Ende der Laktation und von Stoffwechselstörungen.

Genetik an die Fütterung anpassen (und nicht umgekehrt)

Der Versuch, Kühe, die genetisch auf sehr hohe Leistungen programmiert sind (wie intensive Holstein-Linien), ausschliesslich mit Heu und Gras zu halten, ist eine unmögliche Gleichung. Die Kühe würden Gefahr laufen, übermässig abzunehmen, was zu einer verminderten Fruchtbarkeit, Gesundheitsproblemen und einer verkürzten Lebensdauer führen würde.

⁠Der biologische Ansatz erfordert eine standortgerechte Selektion der Milchkühe. Es ist besser, Kühe mit 
mittlerer oder kleiner Statur zu bevorzugen (z. B. weniger als 145 cm Widerristhöhe), die einen geringeren Erhaltungsbedarf haben und sich besser für die Weidehaltung eignen. Angestrebt werden muss ein  stabiler Stoffwechsel (sie sollten den Body Condition Score von 2,5 zum Laktationshöhepunkt nicht unterschreiten) und eine  gute Persistenz (über 85 %), anstatt eines extremen Produktionshöhepunkts zu Beginn der Laktation, der ohne Kraftfutter unmöglich aufrechtzuerhalten ist.

Das Kraftfutter: Wann ist der Einsatz sinnvoll?

Da nur ein Spielraum von 5 % über das Jahr zur Verfügung steht, muss die Verteilung des Kraftfutters chirurgisch erfolgen.  Es ist sinnvoll, es hauptsächlich während der "Startphase", d. h. in den ersten 100 Laktationstagen, zu verabreichen.

Während dieser kritischen Zeit produziert die Kuh grosse Mengen Milch und schafft es oft nicht, genügend Grundfutter zur Deckung ihres Bedarfs aufzunehmen. Ein Ergänzungsfuttermittel hilft dann, das Energie- und Proteindefizit auszugleichen, den Pansen zu stabilisieren und Stoffwechselstörungen vorzubeugen, während gleichzeitig die Fruchtbarkeit unterstützt wird. Ausserhalb dieser Phase sollte eine Kuh fast ausschliesslich durch hochwertiges Grundfutter in der Lage sein, ihren Bedarf zu decken.

Praktischer Fall: Wie wähle ich zwischen Kraftfutter mit 17, 24 und 30 % Protein?

Wir bieten verschiedene Kraftfuttermittel der Mühle Rytz an; diese drei Produkte ermöglichen eine präzise Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Herde. Die Wahl hängt ausschliesslich von der Zusammensetzung des Grundfutters ab, um den Pansen auszugleichen:

1. Das Kraftfutter mit 30 % Protein (Stickstoffkorrektor)

  • Wann verwenden: Wenn das Grundfutter energiereich ist, aber Protein fehlt.
  • Typischer Fall: Wenn die Ration viel Silomais enthält oder wenn spät geerntetes Heu verfüttert wird, das reich an Gräsern, aber arm an Leguminosen ist. Dieses Kraftfutter verhindert, dass die Kühe Körperfett speichern. ⁠

2. Das Kraftfutter mit 17 % Protein (Energiefokussiert)

  • Wann verwenden: Wenn das Grundfutter bereits extrem reich an Rohprotein ist und die Kühe vor allem Energie benötigen.
  • Typischer Fall: Beim Weideaustrieb im Frühjahr (sehr junges, proteinreiches Gras) oder bei einer Ration, die aus Trockenfutter und Silagen von Kunstwiesen mit vielen Leguminosen (Luzerne, Klee) besteht. Dieses Kraftfutter verhindert einen Stickstoffüberschuss im Stoffwechsel. ⁠

3. Das Kraftfutter mit 24 % Protein (Der Ausgewogene)

  • Wann verwenden: Wenn die Grundration Standard ist und kein extremes Ungleichgewicht aufweist.
  • Typischer Fall: Bei einer Ration, die auf ausgewogenen Grassilagen und klassischem Heu basiert und eine moderate Unterstützung in Energie und Protein benötigt, um den Laktationshöhepunkt zu unterstützen. ⁠

Ein Expertenrat zum Abschluss: Die Qualität des Grundfutters unterliegt erheblichen saisonalen und botanischen Schwankungen. Um nicht im Dunkeln zu tappen, ist es ratsam, eine Grobfutteranalyse durchführen zu lassen (zum Beispiel über das FiBL). Dies ermöglicht es, den genauen Proteingehalt der Basis zu erfahren und mit Sicherheit das Kraftfutter auszuwählen, das den Kühen den grössten Nutzen bringt!